Die Herausforderung
Auch noch 15 Jahre nach dem Völkermord in Ruanda sind viele Menschen traumatisiert. Tausende von Witwen und Waisen leiden bis heute unter den Folgen des Erlebten, denn viele verloren ihre Angehörigen. Während des 100 Tage dauernden Krieges verarmten weite Teile der Bevölkerung und ausländische Investoren zogen sich aus dem Land zurück. Nicht zuletzt deswegen ist Ruanda noch heute eines der ärmsten und wenigsten entwickelten Länder der Erde. Mit einem durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf- Einkommen von nur rund 180 Euro liegt das Land sogar noch unter dem Einkommensniveau der übrigen Staaten in Subsahara-Afrika. Fast zwei Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze.
Neun von zehn Menschen leben in Ruanda als Kleinstbauern im ländlichen Raum. Die Mehrheit von ihnen hat keinen Zugang zu Kapital oder Finanzdienstleistungen, die ihnen helfen könnte, ihr Einkommen zu verbessern oder durch Sparkonten ein Sicherungsnetz zu knüpfen.
Das Projekt
Opportunity International hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Finanzierungslücke zu schließen. Daher startete 2006 Wir möchten den Menschen helfen, sich selbst aus der Armut zu befreien. Dazu vergeben wir Kleinkredite an bedürftige Menschen, die unternehmerisch tätig sind. Dafür sind bei uns keine materiellen Sicherheiten notwendig, sondern die Klienten schließen sich in Trustbanks zusammen, in denen sie füreinander bürgen. „Trust“, zu Deutsch „Vertrauen“, ersetzt die materiellen Wertgegenstände, die üblicherweise als Sicherheit gefordert werden. Dieser Ansatz hat in Ruanda, einem Land, in dem das Vertrauen durch den Krieg Mitte der Neunziger nachhaltig zerrüttet wurde, eine ganz besondere Bedeutung. Die Menschen erleben in solch einer Gruppe, dass sie füreinander da sind und sich gegenseitig unterstützen.
Ergänzt wird das Kreditprogramm durch Schulungen zu Grundlagen der Geschäftsführung, aber auch zu Gesundheitsthemen, insbesondere HIV/AIDS-Prävention.
Dazu zählt auch die Absicherung der Menschen in Krisensituationen. Ein Weg ist Sparen, das in form von Sparkonten die dritte Säule der Arbeit von Opportunity International in Ruanda darstellt. Für viele Menschen in Ruanda, die nicht in den größeren Städten leben, erschienen Banken lange unerreichbar, da diese nur in den Städten ihre Filialen betrieben. Der Weg in die Stadt war zu teuer und zu zeitaufwändig. Daher setzt Opportunity auf „mobile Banken“. Das sind gepanzerte Fahrzeuge, die neben einem Kassenschalter auch einen Bankautomaten bieten.
Der Präsident Ruandas, Paul Kagame, begrüßt das Engagement: „Die Menschen in Ruanda haben viele Begabungen. Um diese entfalten zu können, brauchen wir mehr Partner wie Opportunity International – Partner, die uns Möglichkeiten, Technologien und Investitionen bieten.“